www.miba.de
 
 

MIBA-Inline

 

* Inhaltsübersicht

* What's new?
Inhalte
* MIBA aktuell
* MIBA Spezial
* Neu im Handel
* Teststrecke
* MIBA Events
Shopping
* Verlagsprogramm
* MIBA-Partner
* MIBA Kleinanzeigen
* Hersteller A-Z
* Händler A-Z
Service
* NEM (Morop)
* Feedback
* Mailing-Liste
* MIBA Inline
* Downloads
* Media-Daten
 

Die MIBAnalyse - Was zeigt die MIBA tatsächlich?
PD Dr. Guido Ipsen

In den Ausgaben der MIBA von 05/2013 bis 08/2013 erschein eine Reihe von Leserbriefen zum Thema, welcher Art die Modellbahnen sein sollten, die in der Zeitschrift vorgestellt werden. Nun mag man solche Diskussionen, die zum Teil recht emotional geführt werden, als wiederkehrende Stürme im Gießharzteich ansehen. Immerhin ist dies aber schon innerhalb recht kurzer Zeit die zweite Diskussionsrunde zu diesem Thema - man erinnere sich an die Leserbriefe zur „Weihnachtsanlage" im vorhergehenden Winter. Dieses Phänomen und die Tatsache, dass während der vergangenen Ferien mein Modellbahndachboden zum Basteln zu heiß war, verführte mich als Medienwissenschaftler zum Gedanken: „Mooooooment! Wir wollen doch mal sehen, wie es sich tatsächlich, und nicht nur gefühlt, mit der Art der Modellbahnen in der MIBA verhält!" Immerhin sollte man doch einmal, fand ich, überprüfen, ob der eine oder andere Meinungsgeber berechtigte Einlassungen an die Redaktion sendet.

Also schnappte ich mir, in der Sommerhitze schwer unter der Last schwitzend, Berge von MIBAs aus dem Archiv, setzte mich mit einem kühlen gebrauten Getränk, dessen Erscheinen in der MIBA auch schon mal für Aufruhr sorgte, an ein schattiges Plätzchen und begann zu zählen.

Dazu eine kleine Erklärung: Den Medienwissenschaftler interessiert, einfach gesagt, grundsätzlich das Verhältnis zwischen Darbietung eines Mediums und dessen Wirkung. Also: Was erscheint in der MIBA, ist es ein Spiegel der modellbahnerischen Hobbyrealität? Reagieren Menschen darauf? Dieses Verhältnis kann man ablesen aus Zahlen, etwa der Auflagenstärke oder dem Markterfolg. Auch die Anlagenberichte, die der Redaktion zur Publikation angeboten werden sowie deren Auswahl lassen Rückschlüsse zu. Auf diese Zahlen und Angaben hat die Wissenschaft nicht unbedingt Zugriff. Man kann aber im Umkehrschluss annehmen, dass ein Medium, welches über längere Zeit in seinem Inhalt und seiner Form Kontinuität aufweist, mit seinem Angebot den Geschmack potenzieller Leserinnen und Leser trifft. Daher ist es statthaft, aus einer empirischen Erhebung, also dem Zählen von Daten zum Inhalt, Rückschlüsse auf positive Leserreaktion zu ziehen. Im Falle der MIBA könnten als die wichtigsten Reaktionen a) der kontinuierliche Kauf der Zeitschrift und b) die begeisterte Aufnahme, etwa durch Nachbau etc., von vorgestellten Modellbahnenfeatures gelten.

Soweit zur Theorie. Eine empirische Untersuchung sollte nun valide Ergebnisse zu einer Problemfrage liefern. Ich stellte mir die Frage: „Stimmt es objektiv, dass die MIBA überwiegend hochkomplexe Anlagen und superdetaillierte Dioramen zeigt?"

Zur Überprüfung nahm ich mir die MIBA-Jahrgänge 2010, 2011 und 2012 vor. Natürlich brauchte ich klare Kategorien zum Zählen. Zunächst einmal gab es Ausschlusskriterien: Alle Artikel, die lediglich Detailbauten für Anlagen besprachen, habe ich ignoriert (z.B. Bau einer Brücke und anschließende Gestaltung einer Landschaft darum), es ging mir ja um Anlagen. Ansonsten hätten allzu viele Bauanleitungen mitgezählt werden müssen und das Ergebnis meiner Ansicht nach verfälscht. Außerdem sind Serien über Anlagen, obwohl sie mehrere Artikel bedeuten, nur einfach gezählt worden (so etwa Otto Humbachs Ottersberg-Projekt). Schließlich habe ich alle reinen Entwürfe ignoriert - letztlich sagen sie nichts aus über ihre Umsetzung, sie sind sozusagen reines modellbahnerisches Potenzial. Ich unterschied auf der Basis dieser Rahmenbedingung folgende Kriterien:

  • Wer baut (Privatpersonen, Vereine, Institutionen)?
  • Welche Baugröße (Z bis G)?
  • Welche Ausmaße (Diorama, Regal, Segmente, Kompaktanlage, raumfüllende Installation, Ausstellung, Garten)?
  • Welcher Detaillierungsgrad (Spielbahn/SP, hochdetailliert/HD, superdetailliert/HDD)?
Die meisten Kriterien erklären sich wohl von selbst; hier nur ein paar ergänzende Erläuterungen: Bei den Ausmaßen gibt es sicherlich Unschärfen. Manche Vereinsanlagen bestehen zwar aus Segmenten, werden aber zu Ausstellungsanlagen zusammengesetzt. Also habe ich mich nach der Schwerpunktsetzung der Artikel gerichtet. Eine Kompaktanlage ist übrigens im Sinne der Zählung alles, was größer ist als ein Modul, aber noch kein ganzes Zimmer belegt - das klassische Oval etwa, oder auch eine mittelgroße L-Anlage. „Zimmer" umfasst auch Dachboden- bzw. Kelleranlagen. Die Detaillierung richtet sich nach Aufwand und optischer Wirkung. Eine reine Spielbahn würde auf leicht zu beschädigende feine Details verzichten, eine hochdetaillierte Anlage verwendet handelsübliche Materialien, und superdetaillierte Installationen schließlich gehen stark über das übliche Maß an Verfeinerung hinaus. Zugegebenermaßen ist auch hier die Trennschärfe nicht optimal, aber für diese Erhebung akzeptabel.

Die Ergebnisse der kleinen Analyse (dachte ich, aber es dauerte denn doch ein paar Tage) kann man der folgenden Tabellen entnehmen:

Erbauer
Privat70
Verein15
Institution1
Summe86
    
Baugröße
Z1
N8
TT2
H0e6
H0f1
H0 2L Gleichstrom41
H0 3L Wechselstrom11
0e5
09
2m (G)5
virtuell1
Summe90
    
Ausmaß
Diorama8
Modul30
Segmente3
Regal3
Kompakt21
Zimmer17
Großanlage3
Ausstellung5
Garten4
virtuell1
virtuell1
Summe95
    
Detaillierungsgrad
SP1
HD85
Betrieb1
virtuell1
Summe88

 

Die absolute Anzahl der vorgestellten Installationen beträgt 86. Da manche von ihnen mehrere Spurweiten (H0 plus H0e) oder Stromarten (2L/3L) aufweisen, teils als Regal-, Modul- oder sonstige Kleinanlage angelegt, aber auch Teil eines größeren Arrangements sind und schließlich eine einzige (!) Anlage zwar offensiv als Spielanlage vorgestellt, aber auch fein detailliert ist, kommt es bei den Features zu höheren Zahlen.

Was fällt uns auf? Zunächst einmal: Nach dieser Darstellung baut der typische Modellbahner à la MIBA in H0, betreibt seine Anlage mit Gleichstrom und hat entweder ein oder mehrere Module oder stellt seine Anlage kompakt/mobil oder raumfüllend in einem besonderen Raum auf. Er legt Wert auf eine gute Detaillierung, ist aber kein typischer Verfechter der Höchstdetaillierung. Was also ist mit unserer Ausgangsfrage? Wir können Sie verneinen. Nur ganz wenige als Diorama ohne Anlagenanschluss ausgewiesene Dioramen gibt es. Die Module oder ungenormten Segmente sind stets zur Erstellung größerer Arrangements konzipiert und schließlich ist da die überwältigende Mehrheit der mittelgroßen Privatanlagen. Es werden also nur selten Spezialdioramen gezeigt, die Komplexität hält sich in Grenzen. Lediglich Vereinsanlagen, die aber schließlich das Werk eines Gemeinschaft sind, gehen über das übliche Maß hinaus. Einige Exoten wie etwa die Vorstellung des Eisenbahn-Betriebsfeldes Darmstadt (MIBA 04/11) oder Gartenbahnen wie auch Großanlagen, die wiederum eigentlich stets Vereinsarbeit zeigen, runden das Bild eher ab als dass sie der MIBA den Anspruch eines Spezialistenblattes verliehen.

Tatsächlich muss man feststellen: Keine einzige wirkliche „Spielanlage" (Schienenkreis, Häuschen, Grasmatte…), wie man sie vielleicht im Kinderzimmer des jüngeren Nachwuchses vorfinden wollte, taucht im untersuchten Zeitraum auf. Ebenso wenig findet sich eine einzige „klassische" Märklin-Anlage mit Metallgleisen. Folgen wir dem oben dargestellten medienanalytischen Rückschluss, so ließe sich formulieren: Die Zielgruppe für solche Anlagen findet sich bei MIBA-Lesern nur marginal. Bildet die MIBA tatsächlich ab, wofür Modellbahn heute steht, so ist die Zeit der Metallgleise offenkundig vorbei. Was allerdings das „Spielen" angeht, so muss man differenzierter argumentieren. Keineswegs ist das „Spielen" mit der Bahn ein Randthema in der MIBA. Da die Höchstdetaillierung kein Kernsujet der Anlagenberichte ist, bleiben die Anlagen fast vollständig „benutzerfreundlich". Ich wage den Schluss, dass das Konzept vom „Spielen" mit der Modellbahn sich genauso gewandelt hat wie das Material; die Beschäftigung ist sehr viel näher am Original mit seinen Funktionen und Vorgängen. Dafür spricht auch die Zahl der kompakten und raumfüllenden Anlagen sowie Module und Segmente, die fast ausnahmslos das klassische Bahnhofsthema mit Anschlüssen, Rangiermöglichkeiten und Zugbildung darstellen. Fahren und Rangieren nur können die Aktivitäten sein, welche diese Anlagen zulassen. Dies also ist denn zwangsläufig die Spielidee hinter diesen Bahnen - oder wir müssten uns vom Wort „Spiel" im Zusammenhang mit der Modellbahn ganz verabschieden. Es ist aber (als Anschlusshypothese) formulierbar, dass auch modellbahnerischer Nachwuchs heute vorbildorientierter spielt und von der väterlichen (oder mütterlichen) vorbildorientierten, detailreichen Anlage profitieren kann. In diesem Zusammenhang wäre es interessant zu erfahren, wie viele Modellbahneltern Anlagen ihrer Kinder mitbetreuen oder sie auch bei sich selbst mitmachen lassen.

Summa summarum: Die MIBA zeigt sich variabel und im Rahmen der gespielten Spurweiten flexibel. Neueren Strömungen wie der Renaissance der Spur 0 oder saisonalen Themen wie der Gartenbahn wird ein Forum gegeben, ohne andere Spurweiten zu ignorieren. Selbst Exoten oder neuere Entwicklungen wie die virtuelle Bahn werden besprochen. Die reinen Zahlen belegen, dass vom „Normalbahner" nicht Nachvollziehbares oder sogar nicht Nachbaubares kaum vorkommt, im Gegenteil. Im Schnitt zeigt gerade der „Normalbahner" in der MIBA sein überschaubares Projekt, mit dem sich gut Betrieb machen lässt. Alle andere Meinung hierzu ist auf subjektive Wahrnehmung zurückzuführen und jedenfalls aus dem Datenbestand nicht nachweisbar.

Wollte man abschließend eine mediale Kritik einführen, so muss sie sich wohl auf das beziehen, was jeder Leser objektiv als „Authentizität" der Berichterstattung auffassen möchte. Tatsächlich zeigt sich etliche Male eine Diskrepanz zwischen den gelobten Prinzipien der Modellbahnerei und der Beschreibung der gezeigten Bahnen. Beispiele sind das propagierte Prinzip „weniger ist mehr" versus Höchstlob bei vollgepackten Arrangements oder die in Planungen angestrebte Vorbildtreue gegenüber Anlagenberichten mit Gleisplänen, die keiner logischen Ordnung entsprechen. Ein Beispiel für solche Diskrepanz besteht z.B. in MIBA 09/13. Sieht man das Titelbild mit unmöglich platzierten Oberleitungsmasten (und weiterhin teilweise die Naturgesetze ignorierenden Hangneigungen und Bauten, plastikglänzende Häuser etc. auf den Bildern im Anlagenbericht), so mag man sich fragen, ob das Zitat „der realitätsbezogene Modellbau [wurde] nicht vernachlässigt. Soweit wie möglich orientiert er sich am Vorbild" (S. 9) bedeuten soll, dass in 1:160 nicht mehr möglich ist. Handelt es sich hier nicht tatsächlich eher um eine - da ist sie ja! - echte Spielbahn, erweitert um Details? Je nach Betrachtung wäre der Anlagenbericht journalistisch jedenfalls nicht authentisch, legte man absolute Maßstäbe an. Aber soll man das?

Dass ihrem subjektiven Empfinden für das modellbahnerisch Gute, Wahre, Schöne nicht entsprochen wird, dürfte sein, was einzelne Leser zuweilen stört bzw. sie veranlasst, Einzelfälle ungeliebter Berichte so zu generalisieren, dass ihnen die ganze MIBA voll fremdartiger Modellbahn vorkommt, mit der sie nichts anfangen können. Es ist aber den Berichten auch zu entnehmen, dass offenkundig Anlagenbesitzer selbst teilweise oder ganz Texte beisteuern. Inwieweit es angebracht ist, Selbstbetrachtungen von Modellbahnern redaktionell zu überarbeiten, sei dahingestellt. Was mir unvorstellbar erscheint, ist eine tatsächlich negative Bewertung von Anlagen in der Zeitschrift, auch wenn sie vom „Ideal" (was immer das sei) abweichen. Auch Anlagenbauer, deren Schaffen dem eigenen Credo nicht entspricht, sollte man respektieren. Sie präsentieren sich stolz einer Hobbyistenöffentlichkeit, die nur allzu leicht die Details aufs Korn nimmt und darüber das Schaffensglück und die Freude desjenigen vergisst, der da etwas aufgebaut hat. Diese Freude aber sollte man nicht trüben. Der Stolz auf jegliche Werke sei berechtigt! Dass deren Bandbreite in der MIBA auf jeden Fall gegeben ist, sollte bedeuten, dass für jeden etwas dabei sein kann.

Der Autor ist seit früher Kindheit Eisenbahnfreund und wurde durch die 012er im Bahnhof Westerland infiziert. Er betreibt eine Modellbahn Spur N, seine Freude ist vorbildgerechte Zugbildung in Epochen 3 und 4.


[Zum Seitenanfang]  
Impressum
© 1997-2014 by MIBA Miniaturbahnen
Konzept und Umsetzung
von IWI GmbH
webmaster@MIBA.de