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MIBA: Nachruf auf Werner Walter Weinstötter

 

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  Schau mal, das ist der WeWaW!" So raunte es immer wieder in den Gängen der Spielwarenmesse, wenn eine Gruppe von MIBA-Lesern ihn plötzlich entdeckt hatte - ihn, den leibhaftigen „Modellbahn-Papst", der diesen Titel ebenso unbekümmert akzeptierte, wie er auch darauf verzichtet hätte: Er wusste, wer er war und was er für die Modellbahner bedeutete. Was „seine" Modellbahner, seine Leser ihm bedeuteten - das verkündete Werner Walter Weinstötter nicht in langatmigen Leitartikeln oder auf geschwätzigen Kongressen. Das erschloss sich dem aufmerksamen Zuhörer im kleinen und kleinsten Kreis und am deutlichsten denen, die mit ihm arbeiteten: Er verstand sich zeit seines publizistischen Lebens als Anwalt derer, mit denen er dieselbe Leidenschaft teilte. Und wie ein wirklich guter Anwalt wirkte er allemal lieber und wesentlich effektiver hinter den Kulissen als im Rampenlicht - auch wenn er dieses nicht scheute, um es für seine Zwecke, sprich: die Anliegen seiner Klienten, der Modellbahner, auszunutzen.

Was er auf diese seine Weise mit seiner oft störrisch anmutenden Beharrlichkeit durchsetzte, ist längst so fest gefügtes Allgemeingut geworden, dass nur noch langjährige Leser und Weggefährten um die Ursprünge wissen, um die großen Artikelserien und die kleinen Tricks, mit denen da einstmals gekämpft wurde - um einheitliche N-Kupplungen, lange Schnellzugwagen oder maßstäbliche Gebäude. Mit heimlicher Freude wusste er dabei große Hersteller erfolgreich gegeneinander auszuspielen - und trat ebenso erfolgreich mit „Männerstolz vor Königsthronen" auf, wissend, dass er das Wohlwollen großer Anzeigenkunden aufs Spiel setzte.

Die Industrie war der eine Partner und zugleich Widerpart, um deren sensibel zu handhabende Doppelrolle er stets wusste. Der andere Partner - das war sein Leserkreis, das waren seine Modellbahner, denen er immer ebenjenen Respekt schuldete, der ihm alsbald selbst entgegengebracht werden sollte. Er hatte ein untrügliches Gespür für modellbahnerische Qualitäten, die er auf fast familiäre, ja väterliche Weise zu fördern verstand; die Arbeiten noch heute als stilbildend geltender Modellbahner wie Rolf Ertmer, Kurt Chromek oder Hermann Saile künden davon. Gleichzeitig aber brachte er auch der abstrusesten Kleinbastelei - eine seiner typischen Wortschöpfungen - oder bizarrsten Anlage noch jenes neugierige Interesse entgegen, das den echten Bastler und Tüftler kennzeichnet. „Hör mal", wies er oft genug seinen jungen Redakteur zurecht, der derlei Machwerke am liebsten kommentarlos zurückgeschickt hätte, „hör mal: Wissen Sie, wie viel Arbeit der Mann da hineingesteckt hat? Und haben Sie überhaupt schon mal in dünnem Federblech gebohrt?" Der junge Redakteur wusste nicht und hatte auch nicht; Werner Walter Weinstötter kommentierte es mit „Na also!" und rückte die vermeintlich verrückte Leserarbeit, verständnisvoll kommentiert und notfalls fachkundig korrigiert, ins Blatt.

Über das „Ob und Wie" der publizistischen Aufbereitung unzähliger Einsendungen haben Werner Walter Weinstötter und sein Redakteur immer wieder engagiert diskutiert und mitunter auch heftig gestritten. Im Lauf der Jahre wurde aus dem „jungen Wilden" an WeWaW's Seite ein eher milde gestimmter Modellbahner, der seinesgleichen in seinen vielfältigen Facetten verstehen und respektieren gelernt hatte - nicht zuletzt dank der von Werner Walter Weinstötter wahrhaftig vorgelebten Devise „model railroading is fun". Dass dieses Motto in der Redaktion, bei manch nächtlicher Arbeitssitzung in WeWaW's Haus und nicht zuletzt in den Gängen und Hinterzimmern der Spielwarenmesse immer wieder wahre Lachsalven samt Atemnot und tränenden Augen ausgelöst hat, gehört zu den unvergesslichen Erinnerungen derer, die mit ihm gearbeitet haben.

Werner Walter Weinstötter ist am 20. Dezember des Jahres 2000 im Alter von 86 Jahren gestorben. Sein Wunsch und der seiner Angehörigen war es, dass sein Tod erst nach der Spielwarenmesse bekannt werde. Er wird der Modellbahnszene fehlen - der menschliche Faktor.
Michael Meinhold


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