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 Spiel und Zusammenspiel
[Abbildung zur Leseprobe]Das Böse ist immer und überall!“ - Diese bahnbrechende Erkenntnis goss die Erste Allgemeine Verunsicherung während der Achtzigerjahre in ihr berühmtes Lied vom Banküberfall. Was bis dato eher als Warnung strenger Erziehungsberechtigter jedweder Couleur an die aufmüpfige Jugend gedient hatte, wurde jüngst von Forschern aus England mit wissenschaftlicher Genauigkeit bestätigt (wobei wir aber selbstverständlich davon ausgehen, dass die Veröffentlichung kurz vor der Spielwarenmesse nur ein kalendarischer Zufall ist ...):

Die Forscher hatten nämlich in Experimenten herausgefunden, dass Menschen dazu neigen, ihren Mitmenschen Nachteile zuzufügen, auch wenn sie selbst keinerlei Vorteile davon hatten. Die Vergleichsgruppe bestand interessanterweise aus Schimpansen, die untereinander zwar durchaus zänkisch sind, aber nichts daran finden, dem Artgenossen auch mal einen Vorteil zukommen zu lassen. Unsere Schadenfreude haben wir also offenbar nicht während der Evolution erworben, sondern selbst entwickelt.

Aber ist das der entscheidende Schritt, der den Homo sapiens von seinen engsten Verwandten unterscheidet, ihm sozusagen die nächste Stufe der Entwicklung erst ermöglicht hat? Mag sein, Genaues weiß man (noch) nicht. In so manchem Spiel jedenfalls drückt sich diese Freude am Schaden des anderen unmittelbar aus: Der Aufforderung im Spieltitel zum Trotz ist es ja gerade der Reiz der Sache, den anderen zur Weißglut zu treiben, indem man dessen Figürchen beim „Mensch, ärgere dich nicht!“ vom Parcour kickt.

Aber es gibt auch andere Formen des Spiels, weniger archaisch und darum möglicherweise weiter fortgeschritten: Formen des Zusammenspiels nämlich, bei dem das Ganze mehr darstellt als die Summe aller Einzelerfahrungen. Der „Rheinländer ansisch“, wie ihn Konrad Beikircher stets so treffend auf den Punkt bringt, hat dieses Prinzip zur allseits akzeptierten Volksweisheit erhoben: „Man muss auch jönne könne!“

Nun ist ja der „Modellbahner ansisch“ diesbezüglich dem Rheinländer sehr ähnlich. Er organisiert sich in Clubs, wo das Zusammenspiel im Bau einer Anlage gipfelt. Auf selbiger wird eine heile Welt en miniature zelebriert, auf der es zwischen den Bewohnern nicht herziger zugehen könnte. Auch der Betrieb erfordert ausgeprägten Gemeinsinn: Verteilte Rollen von Lokführern und Stellwerkern ermöglichen die Einhaltung des Fahrplans und die Geselligkeit endet nach erfolgreicher Betriebssession noch lange nicht.

Hat sich der Clubkollege eine neue Lokomotive zugelegt, werden die Köpfe zusammengesteckt und das Wunderwerk der Feinmechanik begutachtet. Ist das Modell vielleicht nicht so gelungen (was ja heutzutage bei Neukonstruktionen praktisch nicht mehr passiert ...), kommt keinerlei Schadenfreude auf; vielmehr kumuliert sich die Enttäuschung zu solidarischer Empörung.

Bedeutet aber die friedliche Grundhaltung des Modellbahners nun einen weiteren Fortschritt oder ist die fehlende Niedertracht eher als affiger Rückschritt zu betrachten? Die Antwort liegt bei uns selbst und ist beispielhaft am Angebot der diesjährigen Messe auszumachen: Angenommen, die Industrie bringt so gut wie keine Neuheiten für Spurweite und Epoche Ihres Hobbykollegen - freut Sie das etwa? Ich hoffe, nein, und das ist doch eigentlich ein Fortschritt - meint Ihr
Martin Knaden


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