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Trauer um Michael Meinhold

 
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  [Abbildung zur Leseprobe]Nach kurzer, schwerer Krankheit verstarb am 4. Januar 2009 unser ehemaliger Chefredakteur Mi­chael Meinhold. Nur knapp ein viertel Jahr verblieb ihm von der Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs, bis die Signale für immer auf Hp 0 gingen. Mit ihm verliert nicht nur die MIBA, sondern eine ganze Branche einen Kenner der Materie, der für Vorbild und Modell gleichermaßen kompetent war.

Michael Meinhold wurde am 29.1.1947 im oberhessischen Laubach geboren. Als drittes von vier Kindern verlebte er seine ersten Lebensjahre im Geburtsort. Auch das ers­te Schuljahr verbrachte er in Laubach, wo die Grundschule unmittelbar an der Bahnstrecke Hungen- Laubach-Mücke lag. Die schweren Panzerzüge der Amerikaner, die unmittelbar neben dem Schulhof von zwei schwer arbeitenden Loks den Berg hinaufbefördert wurden, prägten sein Interesse an der Eisenbahn nachhaltig. Es blieb ihm unauslöschlich in Erinnerung, wie die Panzerbesatzungen den Schülern immer wieder Schokolade zuwarfen.

1954 zog die Familie nach Kiel, wo der Vater Peter Meinhold, ein schon damals angesehener evangelischer Theologe, einem Ruf an den Lehrstuhl für Kirchen- und Dogmengeschichte der dortigen Universität folgte. Die weiteren Grundschuljahre und die Gymnasialzeit absolvierte Michael in Kiel; das Abitur legte er 1966 an der Gelehrtenschule ab.

Die zahlreichen Dienstreisen des Vater führten auch dazu, dass Michael Meinhold schon in frühester Jugend das Lesen des Kursbuches lernte. Aus dieser Zeit sind in einem Schulheft mehrere Skizzen des Bahnhofs Laubach erhalten geblieben, einige davon in freier künstlerischer Interpretation der Gegebenheiten als zweigleisige Strecke. Dass Michael diese Skizzen nicht nur in der Freizeit, sondern durchaus auch im Unterricht - der ihn keinesfalls überforderte - anfertigte, ist heute noch aktenkundig.

In Kiel belegte er zunächst zwei Semester Jura, bevor er sich zu einem Wechsel nach Tübingen entschied, wo er sich für die Fächer Germanistik und Geschichte einschrieb. Dort genoss er die Freiheiten des Studentenlebens und folgte seinem politischen Bewusstsein, das von der sozial engagierten Mutter geweckt worden war. Ein Foto zeigt ihn bei einer Demonstration in Berlin nur wenige Schritte von Rudi Dutschke entfernt.

Ende 1970 reiste der Vater nach Tübingen, um seinen Sohn dazu zu bewegen, das Studium mit größerem Ernst zu verfolgen. Statt einer Einigung kam es jedoch zum Zerwürfnis mit dem Vater, der fortan seine finanzielle Unterstützung einstellte.

In dieser Situation entdeckte MIBA-Leser Meinhold - gerade rechtzeitig -eine Anzeige in MIBA 2/1971:?„Wer möchte gern sein Hobby zum Beruf machen?" Seine Bewerbung wurde von Verlagsgründer Werner Walter Weinstötter (WeWaW) sehr wohlwollend beantwortet und Anfang Mai 1971 begann Michael Meinhold seine Tätigkeit als MIBA-Redakteur. Schnell wurde sein Kürzel „mm" zu einem Markenzeichen, das bis heute für qualifizierten Eisenbahnjournalismus steht.

Seine Fachkenntnis, aber auch sein organisatorisches Talent ermöglichte einen kontinuierlichen Aufstieg: Ab MIBA 4/1980 führt ihn das Impressum als verantwortlichen Redakteur, ab MIBA 1/1985 dann auch offiziell als Chefredakteur auf.

In dieser Zeit entwickelte sich eine gewisse Uneinigkeit hinsichtlich der Führung des Blattes mit Otto Raab, der inzwischen den Verlag von WeWaW gekauft hatte. 1987 kündigte mm bei der MIBA und gründete beim Tümmels-Verlag seine eigene Zeitschrift „Bahn & Modell". Dieses bei Eisenbahnfreunden äußerst beliebte Ma­gazin erschien nur rund zweieinhalb Jahre bis Mitte 1990.

Zwei Jahre später wurde Michael Meinhold vonseiten des MIBA-Verlages gebeten, als Berater wieder der MIBA zur Verfügung zu stehen. Daraus entwickelte sich eine kontinuierliche Zusammenarbeit als freier Mitarbeiter, die bis zum Schluss andauerte.

Unvergessen ist seine Serie im Jahr 1998, dem 50. Jubiläumsjahr der MIBA: Der Bau der Vogelsberger Westbahn mit dem Bahnhof Laubach als zentraler Betriebsstätte ließ endlich den alten Jugendtraum einer Modellbahn-Anlage nach Vorbild des Heimatortes Wirklichkeit werden. Zugleich führte mm auch ein neues Format in die Modellbahnliteratur ein: Die Artikel waren nicht nur eine sachlich nüchterne Beschreibung der Inhalte, sondern humorvoll präsentierte Geschichten mit lebensechten Dialogen, ver­bunden mit provokanten Fotos aus- ­­getrunkener Bierflaschen. Nie zuvor - und wohl auch nicht danach - hat eine Serie ähnlich große Beachtung beim Publikum gefunden!

Darüber hinaus blieb mm seiner Vorliebe zur Anlagenplanung treu und veröffentlichte in Kooperation mit Thomas Siepmann zahlreiche Anlagenentwürfe, deren Charakteristikum immer die wirklichkeitsnahe Umsetzung des jeweiligen Vorbilds war. Dessen historisches Erscheinungsbild konnte der leidenschaftliche Sammler alter Eisenbahnbilder reichlich mit Fotos aus dem eigenen Archiv illustrieren.

Dieses Archiv Michael Meinhold war auch Grundlage für seine Beiträge zur Zugbildung, die mit wissenschaft­licher Akribie Fakten von Fantasie trennten und damit den Blick der MIBA-Leser schärften für den vorbildgetreuen Einsatz der eigenen Modelle. Seine Broschüren zur Zugbildung gehören heute zu den Standardwerken guter Modellbahn-Bibliotheken.

Abgerundet wurde sein Wirken mit Artikeln über Lokomotiv-Baureihen und Wagengattungen. Auch hier würzte er die eigentlich trocken-technische Materie mit einem geschliffenen Sprachstil, der seinesgleichen suchte. Dabei wusste er stets Zeitgeschichte mit Zeitgeist zu kombinieren - ohne der Versuchung zu erliegen, sich modischen Trends zu unterwerfen.

Michael Meinhold hat - in Kenntnis seiner ablaufenden Zeit?- noch zahlreiche Artikel auf Vorrat produziert, die nach und nach im Lauf des Jahrgangs 2009 in der MIBA erscheinen werden. Und er hat persönlich dafür Sorge getragen, dass das bekannte Archiv Michael Meinhold weiterhin für Artikel genutzt werden kann.

Wenn also auch der Name Mi­chael Meinhold in der MIBA auf Dauer erhalten bleibt, der Mensch - der nicht nur dem Verfasser dieser Zeilen über viele Jahre hinweg ein väterlicher Freund war - wird uns allen unendlich fehlen. Seine Fachkenntnis, sein Sprach­witz und nicht zuletzt seine heitere Art, mit der er Jung und Alt für die Modellbahn zu begeistern wusste, sind für immer unersetzbar verloren. Michael, alter Fahrplankenner: Deine letzte Reise begann viel zu früh!
MK


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