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"Was haben wir gesägt und gefeilt"

 
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  [Abbildung zur Leseprobe]Einige kleine Spielzeugbahnen begleiteten meine Kindheit. Keine befriedigte mich, immer fehlte mir etwas zur überzeugenden Freude. 1942 bekam ich zu meiner größten Begeisterung zwei Platten mit einer H0-Bahn als Weihnachtsgeschenk. Die Folge war, daß ich häufig Schule und HJ-Dienst schwänzte, weil ich mich dauernd am Bahnhof Rothenburgsort herumtrieb. Alle Vorgänge bei der "richtigen" Bahn wollte ich in mich aufnehmen. Im Juli 1943 wurde alles vernichtet - mein Kummer war unbeschreiblich.

Erst 1956 hatten sich meine Selbständigkeit und die finanziellen Verhältnisse soweit gefestigt, daß ich wieder an eine bescheidene Modellbahn denken konnte. Die nun erworbene gebrauchte H0-Bahn versuchte ich zu einer Modellbahn zurechtzubauen - wie zu erwarten, ohne ein befriedigendes Ergebnis. So begann der Aufbau meiner heute noch bestehenden Modellanlage, deren Betriebskonzept und Größe nun schon mehrere Jahrzehnte überdauert hat.

Das Studium der ersten MIBA-Hefte schärfte meinen Blick für Größenverhältnisse in jeder Hinsicht. Zumindest im jeweiligen Erdgeschoß konnten die Miniaturfiguren meine Häuschen bequem betreten oder verlassen. Schon bald habe ich dieses Kriterium auch auf die oberen Etagen meiner Architekturmodelle übernommen. Die ersten Schwarzweißbilder - von einem Bekannten gemacht - waren eine Augenweide ...

Den ersten telefonischen Kontakt mit Werner Walter Weinstötter hatte ich im Januar 1971. Einige Monate später, auf der Heimfahrt aus dem Urlaub, wurde ein Treffen mit WeWaW in Nürnberg vereinbart. Die mit Fotos prall gefüllte Tasche unter dem Arm, betrat ich die (für mich) heiligen Hallen des Verlagsgebäudes, nicht ahnend, was dort auf mich zukäme ...

Herr Weinstötter war ebenso voll des Lobes wie Herr Meinhold (mm) und meinte mehrmals, ich könne die deutsche Ausgabe eines gewissen John Allen werden. Weder der Name noch irgendein Bild, geschweige denn die Modellbahnanlage dieses Amerikaners waren mir damals bekannt. Das weitere Gespräch verlief anregend und positiv für mich - bis der herbeigerufene Herr Kleinknecht (jokl) meine Bilder zu Gesicht bekam.

Er hatte sich offenbar schon häufig mit dem Grau in Grautönen geplagt und erklärte rigoros, von meinen Bildern könne er keine Lithos machen und werde es auch gar nicht erst versuchen. WeWaW und Herr Kleinknecht stritten noch lange, und ich hätte am liebsten das Weite gesucht. Auf meiner Heimfahrt nach Hamburg war ich ziemlich schweigsam - kann man das verstehen?

Mein Anlagenbericht "Modellbahn in Stadt und Land" erschien in MIBA 2/72. Wir haben uns also zusammengerauft, wie auch aus den zahlreichen Veröffentlichungen der Folgezeit ersichtlich. Und ich habe sehr viel gelernt über Druckvorgänge, Schärfeverluste und vieles mehr ...

Den Schwerpunkt meiner Berichte bildeten niemals die großartigen Dinge. Nein: Ich versuche das Leben auf meine Anlage zu übertragen, so unaufdringlich, wie es von uns erlebt wird. Da sind zwei Straßenkehrer bei der Arbeit. Der eine fegt den Gehsteig: hier eine Flasche, dort winzige Buntpapierfusseln, welche leere Tabakwaren-Verpackungen imitieren. Inzwischen beschäftigt sich der Kollege mit einem verstopften Straßengully. Zwei Millimeter Kugelschreibermine, am oberen Rand eckig gebogen, bilden den Gullyschacht, und den Abdeckrost liefert ein Abschnitt aus einem defekten Rasiererscherblech. Den Rost seitlich hochgestellt, reinigt der Arbeiter den Gully.

Der Kontakt mit dem MIBA-Team über Jahrzehnte hinweg war immer ein wichtiger Bestandteil meines Lebens. Mein Beruf und schwerste Erkrankungen unterbrachen ihn im Laufe der Jahre öfter und die mit dem Verlag geplanten Vorhaben. Viele meiner Ideen wurden von der Zeit eingeholt oder von der Industrie aufgegriffen. Was haben wir gesägt und gefeilt, um einen richtigen Waggon zu erhalten! Was haben wir gesucht nach Kräutern aller Art, um glaubwürdige Miniaturbäumchen mit individuellem Erscheinungsbild zu bauen! In fast allen Bereichen hat uns die Industrie diese Mühen abgenommen, und doch wird der Eigenbau seinen Platz und seine Wertschätzung behalten.

Die Jugend hat kein Interesse mehr an der Modelleisenbahn? Das stimmt nicht, behaupte ich aufgrund meiner Erfahrungen mit ebendiesen Jugendlichen. Immer häufiger erhalte ich Anfragen nach Besuchsterminen, und oft werde ich nach akribischer Betrachtung der Anlage von reichlich einer Stunde um eine weitere Audienz ersucht. Immer wieder verblüffend, welch unglaublicher Wissensbedarf bei den Besuchern besteht. Ich kann mich nicht entsinnen, als Jugendlicher jemals einem alten Mann, wie ich es heute bin, so aufmerksam und lange zugehört zu haben. Wenn wir Älteren den richtigen Ton im Umgang mit dem Modellbahnernachwuchs finden, werden wir nicht nur Konsumenten, sondern neue, ernsthafte, aktive Bastler gewinnen.
Wolfgang Borgas


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